netzwerkeln #2 – Twitter & Co.

netzwerkeln #2 – Twitter & Co.

Von den bisherigen Hausaufgaben des “netzwerkeln”-Online-Kurses fällt mir jene der aktuellen Woche am schwersten. Die Lektion dreht sich um Microblogs. Mit dem Begriff kann sicher nicht jeder etwas anfangen. Aber wer in diesem Jahrtausend seine eigenen vier Wände hin und wieder verlassen hat und/oder mit einigen der beinahe acht Milliarden Menschen auf dem Erdenball kommunizierte, hat schon einmal etwas von Twitter gehört. Seit 14 Jahren “zwitschern” sich Millionen Nutzer des Microblogging-Dienstes einander zu.

Meine “Twitter-Karriere” spiegelt recht gut mein Verhältnis zum Microblogging wieder. Vermutlich gehörte ich zu den Usern der ersten Stunde, verlor aber alsbald den Gefallen daran. Recht schnell vergaß ich meine Zugangsdaten und meldete mich anscheinend 2015 als aichlinnn erneut an, so berichtet es zumindest mein Twitter-Profil. Aber was missfällt mir eigentlich an dieser weltweit beliebten Plattform?

Ich bin ein großer Fan von Texten, die “fließen”. Satzzeichen unterstützen oder unterbrechen den Fluss in Inhalt und Betonung. Auch Gedankenstriche erfüllen ihren Zweck und an Emojis, DIE Schriftsprache des 21. Jahrhunderts, habe ich mich gewöhnt (solange eine Nachricht mehr Buchstaben umfasst als lachende Gesichter, knuffige Tierchen und Feiertagssondersmileys). Aber ein Kurztext mit mehr #Hashtags als Wörtern irritiert mich. Jedes einzelne dieser Doppelkreuz-Schlagwörter erzählt Geschichten, kann gar Bücher füllen. Mit meiner Art, Texte zu konsumieren, müsste ich diesen allen per Mausklick folgen, um den Hintergrund der Kurznachrichten verstehen zu können. Aber das ist mir viel zu aufwendig, schon beim Gedanken daran verliere ich die Lust, überhaupt mit dem Microbloggen richtig anzufangen.

Für mich steht der Begriff Hashtag für eines der großen Probleme unserer Zeit – der Flut an Informationen, die täglich, ja minütlich auf uns herniederbricht. Ungeachtet der Filterblasen, die ich an dieser Stelle mal außer Acht lassen will – die vielen Kanäle und Medien, mittels derer Nachrichten und Meinungen verbreitet werden, ermöglichen es uns, unendlich viele Themen zu recherchieren und von allen Seiten zu beleuchten, was im besten Fall zu einem objektiven Standpunkt führen kann. Aber was von all dem ist (mir) wichtig?

Ich schweife ab, will meine Hausaufgabe erfüllen. Seit langer Zeit wieder bei Twitter eingeloggt lese ich neugierig die “Trends für dich”. Gemeint bin wohl ich, fühle mich aber nicht angesprochen. Weder #Tatort, noch #Effenberg oder #grilldenhenssler animieren mich zum Klick. #covidioten schon eher, denn diese Wortschöpfung las ich vor wenigen Tagen zum ersten Mal und fand sie recht originell. Nach dem Überfliegen der ersten zehn Tweets entdecke ich nichts Neues. Die Nachricht, dass sich Thüringens FDP-Chef Thomas Kemmerich infiziert hat, ist nicht dabei. Eine solche Botschaft würde mich nämlich durchaus amüsieren, spazierte der kurzzeitige Thüringer Ministerpräsident doch kürzlich ohne Mundschutz und Mindestabstand durch Gera, um gegen Corona-Auflagen zu demonstrieren.

Weiter geht es mit der netzwerkeln-Empfehlung #BibAtHome. Schon interessanter, mit diesem Hashtag sind Tweets gekennzeichnet, in denen Bibliotheken und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Angebote informieren und diskutieren, die bequem und ohne Mundschutz von zu Hause aus genutzt werden können – ein schöner Einblick in den Berufsalltag der Kolleginnen und Kollegen. Unter den Beiträgen befinden sich aber auch Bilder eine halbnackten Person, deren Bezug zu #bibathome sich erst beim Blick auf den Benutzernamen (Biba) vermuten lässt. Der (?) Abgebildete ist offensichtlich kein Berufskollege.

Eine lohnenswerte Twitter-Alternative scheinen mir Mastodon-Instanzen zu sein. Darauf wäre ich ohne netzwerkeln sicherlich nie gestoßen. Der Microblogging-Dienst wurde in Jena entwickelt und setzt auf open source. Mit openbiblio.social gibt es auch eine Instanz von und für Vertreter von Bibliotheken und anderen Informationseinrichtungen.

Mein Fazit dieser Lektion: Microblogging ist für viele Internetnutzer eine tolle Möglichkeit zur Information und Vernetzung. Aus den eingangs erwähnten Gründen fühle ich mich nach wie vor nicht in Twitters Bann gezogen und sehe im Microblogging für mich persönlich keinen Mehrwert.

Ein Gedanke zu „netzwerkeln #2 – Twitter & Co.

  1. Hallo,

    eine wirklich vielschichtige Betrachtung. Ich persönlich liebe Twitter und tue mir mit anderen Angeboten schwieriger. Ich kann aber das Gefühl von “Informationsflut”, verstehe.

    Ja, Twitter ist kein Medium für Geschichten, für lange, elaborierte Texte, aber es kann genau das Medium sein, dass darauf aufmerksam macht, über welches man kurze Hinweise, “breaking news” verteilt.

    Vielen Dank für den Beitrag 🙂
    (DB)

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