Auf Spurensuche in Hamburg

Auf Spurensuche in Hamburg

Schon seit längerem beschäftigt mich die Frage, wie es kam, dass meine Ururgroßmutter Ida Meyer am 21. Juli 1869 in Hamburg geboren wurde. Erst glaubte ich an einen Lesefehler, stammte ihr Vater, der Tischler Johann Carl August Meyer, doch aus dem thüringischen Gehren. Aber gleich in zwei Familienstammbüchern ist zu lesen, dass Ida in der Elbmetropole das Licht der Welt erblickte.

Also bat ich einen erfahrenen Vereinsfreund um Rat (Danke Falk!). Er vermittelte mich an einen Hamburger Genealogen. Von diesem erfuhr ich wiederum, dass in Hamburg schon vor Einführung des Standesamtes von städtischer Seite Bücher über Geburten, Ehen und Sterbefälle geführt wurden. Das Zivilstandsamt führte Personenstandsunterlagen, die heute im Staatsarchiv Hamburg verwahrt werden, von 1866 bis 1875. Damit hatte ich einen Ansatz, wie ich, ohne in Kirchenbüchern recherchieren zu müssen, dem Rätsel um Idas Geburt weiter auf die Schliche kommen konnte.

Meine Anfrage an das Staatsarchiv wurde sehr nett und ausführlich beantwortet und mir erklärt, wie ich die Signaturen meiner gesuchten Einträge ermitteln könne. Das Staatsarchiv stellt hierzu eine Online-Datenbank zur Verfügung. Über die Archivplansuche gelangt man zum Bestand 332-3 Zivilstandsaufsicht (1866-1875)

Screenshot, 12.05.2020

Enthalten ist dort auch ein alphabetisches Generalregister für Geburten, Heiraten und Sterbefälle. Da mir das Geburtsdatum meiner Ururgroßmutter bekannt ist, konnte ich mit etwas Fleißarbeit Ida Meyer ausfindig machen. Hier erfuhr ich schon ein weiteres Detail, geboren wurde sie in St. Pauli. Die Hamburger Vorstadt wurde zwar erst 1894 offiziell Ortsteil, stand aber schon seit 1833 als Vorstadt in städtischer Verwaltung. Für meine weitere Recherche war noch wichtiger, dass in den handgeschriebenen Namensregistern zu erfahren ist, unter welcher Eintragsnummer die Geburt im Geburtsregister zu finden ist (Signatur 32-3_A 229, Nr. 954).

Nun stand nicht die Aussicht, in absehbarer Zeit die Gelegenheit zu einer persönlichen Recherche im Hamburger Staatsarchiv zu bekommen. Aber eine nette Archivmitarbeiterin gab Auskunft, dass man sich auch an Berufsgenealogen wenden kann oder, insofern Signatur und Eintragsnummer schon recherchiert sind, mit der Zusendung der entsprechenden Antragsformulare auch die Elbe-Werkstätten beauftragen kann, Kopien der Unterlagen anzufertigen und zuzusenden.

Als das Staatsarchiv nach Corona-Pause wieder seine Pforten öffnete schickte ich den Benutzungsantrag los und nur sechs Tage später entdeckte ich die gewünschten, sehr gut lesbaren Kopien im Briefkasten. Dieser Service hat mich begeistert! Jetzt begann der spannendste Teil der Arbeit, schließlich wollte ich wissen, was im Geburtsregister vermerkt war.

Ida Meyer wurde, wie ich schon aus einem Familienstammbuch erfahren hatte, tatsächlich am 21. Juli 1869 in St. Pauli geboren. Sie kam allerdings als Ida Nothvogel, weil unehelich, zur Welt und die Mutter war eine ganz andere, als ich bisher angenommen hatte, nämlich die 27-jährige Henriette Auguste Johanne Nothvogel aus Banteln, heute ein Ortsteil von Gronau (Leine) im Landkreis Hildesheim. Wir haben also eine Vorfahrenlinie, die vor fünf Generationen in Niedersachsen ansässig war. Dort weiterzuforschen wird ein weiteres spannendes Kapitel werden.

Nachdem Idas Mutter am 5. März 1871 den Tischler Johann Carl August Meyer aus Gehren im Thüringer Wald geheiratet hatte, erkannte dieser Ida auch als seine Tochter an und sie trug fortan den Namen Meyer.

Aber warum nun wurde Ida Meyer in Hamburg geboren? Die Frage lässt sich immer noch nicht mit Sicherheit beantworten. Vielleicht wurde der thüringische Tischler Johann Carl August Meyer auf seiner Wanderschaft bis nach Norddeutschland geführt, wo er das niedersächsische Dienstmädchen, seine spätere Frau, kennenlernte? Diese Geschichte werden wir hoffentlich irgendwann erzählen können.

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass Ida Meyer um 1900 Hugo Polaski heiratete und mit ihm unsere Polaski/Polasky-Vorfahrenlinie in Thüringen begründete.

In der Bildmitte sitzt Ida Polaski, geb. Nothvogel, dann Meyer. Ganz links in Uniform ihr Sohn Josef, ganz rechts dessen Frau Gretel. Die Kinder sind uns leider noch nicht bekannt.
(Fotosammlung Annemarie Netzel)

2 Gedanken zu „Auf Spurensuche in Hamburg

  1. Super, deine Recherchen….. so wissen wir auch jetzt das Foto zu deuten….ohne dich hätten wir von unseren Vorfahren nie erfahren….bleib am Ball

  2. Diepholz, 12.05.2020

    Hallo Daniel,

    In Banteln hat meine Frau auch Vorfahren,
    war etwas muehsam weil die Vornamen der
    Kinder nicht eingetragen wurden.

    Gruss

    Falk

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.